Grafen Waldbott von Bassenheim

 

Der Name Waldbott kommt von „Gewaltbote“, das waren im Mittelalter die mit Polizeigewalt ausgestatteten Funktionsinhaber der landesherrlichen Verwaltung, denen nach und nach der Aufstieg in den Adel gelang. Im 13. und 14. Jahrhundert lassen sich mehrere Familien mit diesem Namen nachweisen, so die Waldbott von Andernach und die Waldbott von Ulmen, die von Koblenz, von Lahnstein und von Münstermaifeld. Bassenheim war zunächst ein kurkölnisches, dann kurtrierisches Lehen, das die Waldbott von Bassenheim innehatten. Ein bedeutender Vertreter des Geschlechts war Heinrich Waldbott von Bassenheim, der 1198 in Akkon zum ersten Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt wurde.

Im Verlauf der frühen Neuzeit gelang es seiner Familie, umfangreichen Besitz in der Großregion zu erwerben: Neben Bassenheim, das ihnen ab 1597 ganz gehörte, erwarben sie das Drachenfelser Ländchen sowie die Burgen und Herrschaften Gudenau bei Wartberg, Olbrück und Pyrmont, wo sie ein prachtvolles Barockschloss errichteten. 1729 schied die Grafschaft aus dem kurtrierischen Lehnsverbvand aus und wurde zu einer reichsunmittelbaren Herrschaft erhoben.

Im Geflecht der eng miteinander verwandten Adelsgeschlechter der Region spielten die Waldbott von Bassenheim neben den Grafen von Eltz eine wichtige Rolle, sie stellten z. B. 18 Trierer und zahlreiche Mainzer Domherren und mit Franz Emmerich Kaspar († 1683) auch einen Wormser Bischof. Der Mainzer Domherr Kasimir Waldbott von Bassenheim († 1729) ist dadurch bekannt geworden, dass er 1683 beim Abriss des gotischen Lettners im Mainzer Dom ein Relief mit dem hl. Martin rettete. Seitdem schmückt der „Bassenheimer Reiter“, ein Werk des berühmten Naumburger Meisters, die Pfarrkirche St. Martin in Bassenheim. Die Familie, die 1720 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, besaß das Patronatsrecht über die Pfarrkirche und ließ sie 1718/22 im Barockstil neu bauen. 1784 errichtete sie auch ein neues Pfarrhaus. Auf die Reichsgrafen geht außerdem der Bau der mit einer Allee mit dem Schloss verbundenen Wallfahrtskirche auf dem Karmelenberg zurück, der erste Barockbau im Rheinland.

In der Französischen Revolution erlitten die Grafen zunächst massive Verluste und wurden schließlich enteignet. Dafür wurden sie nach dem Frieden von Lunéville 1801 mit umfangreichen Ländereien aus dem Besitz säkularisierter Klöster in Schwaben entschädigt. 1805 erhielten sie Bassenheim ohne die Sackenheimer Höfe zurück, die schon zwangsversteigert waren. 1831 avancierte Bassenheim zum Rittergut, die Familie erhielt damit die Landtagsfähigkeit. Der letzte Besitzer war Graf Hugo Philipp Waldbott von Bassenheim, der in der ehemaligen Kartause in Buxheim residierte und am bayerischen Hof in München ein verschwenderisches Leben führte. 1861 wurde Bassenheim – ebenso wie Burg Pyrmont – zwangsversteigert.

 

Prof. Dr. Schmid, Winningen